Der Begriff „Unternehmer:in" bedeutet für verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge. Für manche ist es die Silicon-Valley-Gründerin, die ein Garagen-Startup in ein milliardenschweres Unicorn verwandelt. Für andere ist es der Creator, der sein Herzensprojekt in ein florierendes Online-Business verwandelt hat. In Wirklichkeit sind Unternehmer:innen beides – und noch viel mehr.
Unternehmertum ist auf dem Vormarsch. Weltweit gründen immer mehr Menschen eigene Unternehmen – ein Trend, der sich seit der Pandemie deutlich beschleunigt hat. Und laut Shopify-Daten (Link auf Englisch) hat sich die Zahl der Shopify-Shopbetreiber:innen, die einen ersten Verkauf erzielt haben, seit 2018 versiebenfacht.
Der unternehmerische Weg kann sehr unterschiedlich aussehen, doch viele angehende Unternehmer:innen teilen gemeinsame Eigenschaften und Motivationen. Erfahre, was es bedeutet, Unternehmer:in zu sein – mit Einblicken von Gründer:innen, die es geschafft haben.

Was ist ein:e Unternehmer:in?
Ein:e Unternehmer:in ist jemand, der ein eigenes Unternehmen aufbaut oder betreibt. Viele Unternehmer:innen starten mit einer Geschäftsidee – einem neuen Produkt, einer spezialisierten Dienstleistung oder einem einzigartigen Geschäftsmodell –, die eine Marktlücke bedient. Im weiteren Sinne zählen auch Selbstständige, Handwerker:innen und Kreative wie Autor:innen, Illustrator:innen, Influencer:innen und Marketingberater:innen dazu.
In jeder Kategorie gelten Unternehmer:innen oft als risikobereit: Innovator:innen, die bereit sind, in etwas Neues zu investieren oder den klassischen Karriereweg zu verlassen – ohne Erfolgsgarantie. Zum unternehmerischen Mindset gehören häufig auch Leidenschaft, Durchhaltevermögen, der Antrieb, Probleme zu lösen, und der Wunsch, Ideen in die Tat umzusetzen.
Unternehmer:innen verdienen Geld auf vielfältige Weise, und viele bauen sich mehrere Einnahmequellen auf. Eine Grafikdesignerin entwirft beispielsweise Logos für Unternehmen und bietet gleichzeitig Schulungen für angehende Designer:innen an. Ein Autor schreibt eine monatliche Kolumne für ein Fachmagazin und arbeitet nebenbei als Lektor für die Website eines anderen Kunden. Ein Online-Weinhandel generiert Umsatz durch den Verkauf an Kund:innen und bietet zusätzlich kostenpflichtige Verkostungen und Reisen in Weinanbaugebiete an.
In manchen Fällen verdienen Unternehmer:innen wenig bis gar nichts – besonders in der Anfangsphase. Sobald Einnahmen fließen, kannst du dich als Unternehmer:in auf verschiedene Arten selbst bezahlen:
- Privatentnahme. Du entnimmst Geld vom Geschäftskonto, wenn es die Liquidität erlaubt.
- Gehalt. Ähnlich wie ein reguläres Angestelltengehalt.
- Gewinnausschüttungen. Bei bestimmten Gesellschaftsformen (z. B. GmbH) werden Zahlungen aus dem Unternehmensgewinn an die Gesellschafter:innen geleistet, was deren Eigenkapitalanteil am Unternehmen reduziert.
- Dividenden. Gewinne nach Steuern einer Kapitalgesellschaft, die an Eigentümer:innen oder Anteilseigner:innen ausgeschüttet werden – als Belohnung für ihre Investition in ein profitables Unternehmen.
Im klassischen Silicon-Valley-Startup-Modell, bei dem viele Gründer:innen auf ein Exit-Event wie einen Verkauf oder einen Börsengang (IPO) hinarbeiten, sind Unternehmensanteile die primäre Renditequelle – das ist allerdings eher die Ausnahme. Grundsätzlich kann jede:r Unternehmer:in durch den Verkauf des eigenen Unternehmens Geld verdienen, wenn das das Ziel ist.
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmer:innen und Kleinunternehmer:innen?
Obwohl sowohl Unternehmer:innen als auch Kleinunternehmer:innen Firmen besitzen und führen können, gibt es einige wesentliche Unterschiede. Unternehmer:innen setzen häufig auf Innovation und gehen daher tendenziell höhere Risiken ein. Kleinunternehmer:innen hingegen nutzen oft ein bewährtes Geschäftsmodell oder übernehmen ein bestehendes Unternehmen oder eine Franchise und konzentrieren sich eher auf operative Effizienz als auf Marktdurchbrüche.
Gründe, Unternehmer:in zu werden
- Den eigenen Lebensstil gestalten
- Neue Fähigkeiten entwickeln
- Einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten
- Neue Wege gehen
Den Schritt zu wagen und Unternehmer:in zu werden und ein neues Unternehmen zu gründen, bietet zahlreiche Vorteile und Chancen:
Den eigenen Lebensstil gestalten
In klassischen Anstellungen ist dein Karriereweg oft vorgegeben und von Vorgesetzten bestimmt: Du hast eine festgelegte Rolle, arbeitest auf Ziele hin, die andere definiert haben, musst Urlaubstage beantragen und kannst ohne konkreten Grund entlassen werden. Als Unternehmer:in hast du dagegen deutlich mehr Kontrolle über deine Arbeitsbedingungen, deinen Lebensstil und deine Zukunft.
Bevor Nima Jalali die Hautpflegemarke Salt and Stone gründete, war er professioneller Snowboarder – doch er wusste immer, dass diese Karriere ein Ablaufdatum hat. „Man wird älter und die Karriere geht irgendwann bergab, oder?", sagt Nima in einer Folge des Shopify Masters-Podcasts. Für seinen nächsten Schritt wollte er etwas Langfristiges.
„Ich wollte einfach etwas, woran ich jetzt arbeiten kann und für den Rest meines Lebens weiterarbeiten kann", sagt er. „Und genau das war der Plan mit dieser Marke."
Neue Fähigkeiten entwickeln
Unternehmer:innen tragen viele Hüte – das kann sowohl einschüchternd als auch beflügelnd sein. Vielleicht genießt du es, endlich tiefer in die kreative Seite einzutauchen, die dir im Unternehmensalltag gefehlt hat, und eine Marke von Grund auf aufzubauen. Gleichzeitig musst du möglicherweise völlig neue Fähigkeiten erlernen, etwa die Suche nach Lieferant:innen oder die Buchhaltung.
Ob du dich in komplett neues Terrain vorwagst oder dich in Bereiche vertiefst, die dir Spaß machen – jede:r Unternehmer:in entwickelt unterwegs neue Kompetenzen.
„Man sollte diese Chance nutzen, so viele Fähigkeiten zu erwerben", sagt Becca Millstein, Mitgründerin des Premium-Fischkonserven-Unternehmens Fishwife, bei Shopify Masters. „Es ist wirklich die seltenste berufliche Gelegenheit."
YouTube-Koch und Serienunternehmer Wil Yeung sieht den Kompetenzerwerb als natürliche Erweiterung für Unternehmer:innen, die immer mehr über die Welt um sie herum lernen wollen. „Neugier ist eine mächtige Eigenschaft als Unternehmer:in", sagt er. „Es ist fast so, als wärst du ein:e Wissenschaftler:in: ‚Was würde passieren, wenn ich das so oder so mache?' Das hält mich motiviert."
Einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten
Für manche Unternehmer:innen ist Geldverdienen nicht das Ziel – es ist fast nebensächlich. Stattdessen verschreiben sie sich einer Sache und konzentrieren sich darauf, ihre Gemeinschaft, ihr Umfeld oder die Gesellschaft zu verbessern.
Bei Actively Black sagt Lanny Smith, dass Profit nicht einmal Teil des Gesprächs war, als er und sein Mitgründer eine Athleisure-Marke zur Stärkung der Black Community aufbauten. Für ihn ist Geld lediglich ein Werkzeug, um zu expandieren, gleichgesinnte Organisationen zu unterstützen und ihre Mission voranzutreiben. Das Unternehmen hat 10 % seines Umsatzes in die Black Community investiert, unter anderem in Organisationen, die sich für psychische Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und körperliche Fitness einsetzen.
„Die Frage war: Wie bauen wir etwas auf, das unsere Community und unsere Leute positiv beeinflusst?", sagt er in einer Folge von Shopify Masters.
Riley-Mitgründerin Fiona Parfrey startete ihre Bio-Periodenprodukt-Marke, nachdem sie in Kenia als Freiwillige gearbeitet und festgestellt hatte, dass 65 % der kenianischen Mädchen jeden Monat die Schule verpassen, weil sie keinen Zugang zu Menstruationsprodukten haben.
„Vom allerersten Tag an spenden wir einen Teil jedes einzelnen Verkaufs für den Kampf gegen Periodenarmut", sagte Fiona bei Shopify Masters. Diese Mittel finanzieren unter anderem ärztlich geleitete Schulbesuche zur Aufklärung kenianischer Schüler:innen über Menstruationsgesundheit und unterstützen die ehrenamtliche Basisinitiative Positive Period Ireland.
Neue Wege gehen
Manche Unternehmer:innen werden quasi in die Rolle hineingedrängt. Aloha Collection-Gründerin Heather Aiu startete ihr „spritzwasserfestes" Taschenunternehmen, nachdem der Immobilienmarkt eingebrochen war und ihre Karriere im Hypothekenbanking auf der Kippe stand.
„Innerhalb von zwei Wochen war die Hälfte meines Büros weg, und ich dachte: ‚Was würde ich tun, wenn ich eine Hypothek oder Kinder zu versorgen hätte?' Ich begann, über meine wohlhabenden Kund:innen nachzudenken, für die ich Immobilienkredite bearbeitet hatte – und sie alle hatten eigene Unternehmen", erzählt sie.
Adrian Solgaard hatte Schwierigkeiten, einen Job zu finden, bevor er mit seinem Kofferunternehmen Solgaard langfristigen Erfolg fand. Als er eine Kickstarter-Kampagne für einen solarbetriebenen Rucksack startete, war er praktisch pleite.
„Ich hatte noch 637 Euro auf meinem Bankkonto und dachte: Was mache ich jetzt?", erzählt er. In einem sechswöchigen Sprint entwickelte er einen Prototyp des Lifepack-Rucksacks und baute die Kickstarter-Kampagne auf, die schließlich 1,2 Millionen $ einbrachte.
Welche Persönlichkeitsmerkmale haben erfolgreiche Unternehmer:innen?
Obwohl Unternehmer:innen und ihre Unternehmen jeweils einzigartig sind, besitzen oder entwickeln sie in der Regel einige gemeinsame und entscheidende Eigenschaften.
Optimismus
Wenn du etwas von Grund auf aufbaust, finden Skeptiker:innen schnell Gründe, warum dein Businessplan scheitern könnte. Doch erfolgreiche Unternehmer:innen lassen sich von Rückschlägen nicht entmutigen.
Jake Miller, Gründer der Getränkegeräte-Marke Fellow, sagt: „Wirklich kluge Leute sind schlechte Unternehmer:innen, weil sie klug genug sind, all die Gründe zu sehen, warum sie ihre Ideen nicht verfolgen sollten." Er scherzt, er sei einfach „dumm genug" gewesen, um an seinen Erfolg zu glauben.
Sergio Tache, Gründer von Dossier-Parfums, nennt das „wahnhaften Optimismus". Er sagt, das sei eine unverzichtbare Eigenschaft, „denn wenn du wirklich darüber nachdenkst, was du da tust, ist es ein bisschen verrückt. Du hoffst, dass dieses zufällige Business, das du gestartet hast, wachsen wird." Ein „Glas-halb-leer-Typ" wird es schwer haben, sagt er bei Shopify Masters.
Risikobereitschaft
Teil dieses wahnhaften Optimismus ist die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Nur etwa die Hälfte aller Unternehmen überlebt die ersten fünf Jahre, und nach zehn Jahren ist es nur noch rund ein Drittel. „Man muss ein bisschen verrückt, ein bisschen mutig und vielleicht ein bisschen dumm sein, denn die Chancen stehen immer gegen einen", sagt David Abrahamovitch, Gründer des nachhaltigen Kaffeeproduzenten Grind.
Kluge Unternehmer:innen planen voraus, aber viele Risiken sind unvorhersehbar. Wer hätte zum Beispiel COVID-19 kommen sehen? Es ist essenziell zu akzeptieren, dass man nicht für alles planen kann.
„Nicht zu wissen, worauf wir uns einlassen, war ein echter Vorteil für uns", sagt Sadie Bowler, Mitgründerin des Haarpflege-Unternehmens Sadie B. „Wir sind bereit, Risiken einzugehen und weiterzumachen, wenn es schwierig wird, weil wir nicht wissen, wie schlimm es werden könnte."
Ryan Babenzien, der Serienunternehmer hinter der Sneaker-Marke Greats und der Duschkopf-Marke Jolie, sieht das ähnlich. „[Unternehmer:innen] spielen definitiv nicht auf Sicherheit. Die meisten Menschen haben Angst, etwas zu starten, weil es ein enormes Risiko ist. Du riskierst alles: Ob du 20, 30 oder 40 bist, es steht viel auf dem Spiel. Es gibt einen Grund, warum die meisten es nicht tun."
Resilienz
Wenn unvermeidliche Risiken Realität werden und das Unternehmen Rückschläge erleidet, ist es entscheidend, dass Unternehmer:innen die Stärke haben, sich durchzukämpfen.
Diese Rückschläge können in Form von geschäftlichen Herausforderungen auftreten – ein enttäuschender Produktlaunch, eine mäßige Marketingkampagne oder ein:e Lieferant:in, die/der dich im Stich lässt.
Ben Amannas Box-Bekleidungsmarke Boxraw erlebte eine gescheiterte Partnerschaft mit einem berühmten Boxer. „Diese Geschichte hat mir das Herz gebrochen", sagt Ben bei Shopify Masters. „Ich betrachtete diesen Typen als Freund, fast wie Familie. … Es war eine bittere Pille, aber es hat mich enorm abgehärtet."
Leidenschaft
Wenn du Leidenschaft für dein Unternehmen hast, gibt dir das die Ausdauer, mit Widrigkeiten umzugehen, lange Arbeitstage durchzuhalten und weiterhin harte Arbeit zu leisten.
„Ich kann mir nicht vorstellen, so hart zu arbeiten und so motiviert zu bleiben bei etwas, für das ich nicht absolut leidenschaftlich brenne", sagt Fishwife-Gründerin Becca im Interview mit Shopify. „Du musst von deiner Idee und deinem Unternehmen regelrecht besessen sein."
Vision
Eine klare Vorstellung davon, was du erreichen willst, hilft dir, das Fundament für dein neues Unternehmen zu legen. Dir die Zeit zu nehmen, ein Vision Statement zu formulieren, kann eine hilfreiche Übung sein, um zu artikulieren, warum du das tust – nicht nur für dich selbst, sondern auch für dein Team, deine Kund:innen und Investor:innen.
„Klarheit der Vision ist für mich ausschlaggebend dafür, welche Marken erfolgreich sind und welche bei den Menschen nicht ankommen", sagt Becca. „Wenn du deine Vision nicht artikulieren kannst, wird es sehr schwer, etwas zu schaffen, mit dem sich Menschen identifizieren."
Entscheidungsfreude
Das Vertrauen in deine Vision gibt dir auch die Stärke, schwierige Entscheidungen zu treffen und dabei zu bleiben. Als Kopf deines Unternehmens ist deine Überzeugung der Nordstern, der das Tagesgeschäft und die langfristige Strategie leitet.
„Das Schlimmste, was ein:e Unternehmer:in sein kann, ist unentschlossen und orientierungslos", sagt Grinds David. Schließlich: „Wenn du nicht an deine eigenen Entscheidungen glaubst, wird es niemand anderes tun."
FAQ: Was ist ein Unternehmer?
Was ist eine einfache Definition von Unternehmer:in?
Ein:e Unternehmer:in ist jemand, der ein eigenes Unternehmen aufbaut oder betreibt. Sie gelten als risikobereit und als Innovator:innen, die bereit sind, in etwas Neues zu investieren – ohne Erfolgsgarantie.
Was sind die 4 Arten von Unternehmertum?
Vier Kategorien von Unternehmertum sind: Kleinunternehmen, skalierbare Startups, soziales Unternehmertum und Intrapreneurship in Großunternehmen.
Verdienen Unternehmer:innen Geld?
Unternehmer:innen verdienen Geld, indem sie profitable Unternehmen aufbauen und skalieren, die wertvolle Produkte anbieten. Ihr Einkommen variiert je nach Bereich und Branche, und viele Unternehmer:innen haben mehrere Einnahmequellen.
Was macht eine Person zur/zum Unternehmer:in?
Ein:e Unternehmer:in ist jede:r, die/der ein eigenes Unternehmen aufbaut oder betreibt. Typische Eigenschaften sind Innovationsgeist, eine klare Vision und die Bereitschaft, kalkulierte Risiken einzugehen.




